Apps monetarisieren – Mit Apps Geld verdienen

Einleitung

In diesem Artikel besprechen wir NICHT die Apps, mit deren Hilfe man kleines Geld verdienen kann (wer danach sucht, findet einige interessante Apps hier), sondern wie man als App Publisher mobile Apps monetarisieren kann.

Die Struktur des Artikels:

Erfolgsgeschichten

Die Situation auf dem Markt

Monetarisierung von Apps

Mobile Geschäftsmodelle

Fazit

Traum…

Zunächst einige Erfolgsgeschichten zur Inspiration:

  • „Yo“ – „It’s that simple“, oder eine Geschichte, wie man mit einer dummen Idee Investitionen in Höhe von 1.5 Mio. erzielt und danach die App sogar nützlich macht.
  • iShoot: Ethan Nicholas brauchte Geld, um medizinische Rechnungen zu begleichen. Er hat ein wenig die Programmiersprache C gelernt und angefangen iPhone Apps zu schreiben. Ergebnis: Die App iShoot bringt innerhalb der ersten 7 Monaten eine Million Dollar ein.
  • „Tap Tap Revenge“, entwickelt von Bart Decrem. Die App hat ihrem Entwickler innerhalb von 3 Monaten 100.000 $ eingebracht.
  • Jeder kennt Apps wie beispielsweise WhatsApp, Snapchat, Tinder usw. Die Gründer dieser App-Startups sind alle zu Milliardären geworden.

Diese Liste könnte noch lange fortgesetzt werden. Es gibt Tausende von Firmen und Einzelentwicklern, die während des mobilen Gold-Rausches ein Vermögen verdient haben. Und viele weitere werden noch folgen – vielleicht ja auch Sie…

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…und Realität

… Aber zurück zur Realität. Die zwei bedeutendsten App Stores (von Apple und von Google) bieten heute jeweils mehr als 1,3 Millionen Apps an. Sie finden höchstwahrscheinlich irgendeine App zu jeder Idee, die Ihnen spontan einfällt. Bei den meisten Apps handelt es sich um sogenannte Zombies: sie bekommen weder Downloads, noch Rezensionen, noch bringen sie den Entwicklern Geld.

Der Goldrausch hat einige viele Laien angelockt, die 1. keine eigene interessante Idee haben, 2. nicht das technische Knowhow oder die benötigte Erfahrung besitzen, 3. nicht genug Budget haben, um gute Entwickler und „Growth Hacker“ zu bezahlen, und 4. selbst kein Marketing betreiben können. Als Ergebnis findet man im App Store jede Menge nutzloser Apps .

Aber sogar Apps, die bei den Usern gut angekommen sind, haben nicht das Geld eingebracht, mit dem die Entwickler gerechnet haben. Hier können Sie detaillierte Zahlen zu einer solchen Geschichte finden.

Die Stimmung unter Entwicklern schwankt zwischen Euphorie und düsterer Antizipation, dass „die alten Tage vorbei sind“. Aber ist es wirklich so? Lohnt es sich überhaupt noch in die App Entwicklung einzusteigen? Die Antwort ist „ja“.

Und zwar lohnt sich die Entwicklung von Apps aus folgenden Gründen auch heute noch:

  • Sogar wenn es heutzutage deutlich mehr Apps gibt, als vor einigen Jahren, ist die Anzahl noch immer bedeutend kleiner als die Anzahl an Websites zur gleichen Thematik. Suchen Sie z. B. nach „Kleidung kaufen“ im App Store und bei Google. Im App Store finden Sie dazu aktuell (02.04.15) 10 Ergebnisse (im Google Store mehr, da der Suchalgorithmus anders funktioniert), bei Google.de sind es 13.500.000 direkte und verwandte Suchergebnisse.
  • Die Suchalgorithmen der App Stores sind noch nicht ausgereift und lassen sich relativ einfach beeinflussen, was sowohl Vorteile als auch Nachteile mit sich bringt. Man kann diese Tatsache aber für sich nutzen. Alles in allem ist es viel einfacher mit ASO (App Store Optimization) eine gute Position zu erreichen, als mit SEO (Search Engine Optimization) im Web.
  • Das stärkere Wachstum von Mobile Traffic vs. Web Traffic wird auch in den kommenden Jahren anhalten.
  • Trotz großer Konkurrenz auf dem Markt, gibt es noch viele Nischen, die deutlich weniger umkämpft sind, als die „Star-Nischen“ wie z. B. mobile Gaming.
  • Neue mobile Technologien bieten immer wieder neue Chancen, sich zu behaupten.
  • Man kann heutzutage sehr einfach Apps monetarisieren, so viele Möglichkeiten dafür gab es noch nie!

Alles in allem lohnt es sich in die App Entwicklung einzusteigen, wenn man:

  • Versteht, dass „die alten Tage vorbei sind“, und man bereit ist, für die App auch mal ein wenig Marketing zu betreiben, anstatt zu warten, dass alles von alleine läuft.
  • Neben den reinen Entwicklungskosten, die Marketing- und Weiterentwicklungskosten stemmen kann. Übrigens, in unserem Guide können Sie mehr über das App Marketing erfahren!
  • Sich für eine bestimmte, unterbewertete Nische entscheidet, anstatt das nächste Facebook, Tinder und Co. entwickeln zu wollen.
  • Fachliches oder technologisches Knowhow besitzt, das von anderen nicht einfach nachgeahmt werden kann.

Fazit: Das Mobile Business wird reifer und untersteht gleichen Gesetzmäßigkeiten wie die anderen, traditionellen Geschäfte. Aber Wachstum und Potential sind immens – und somit auch die Möglichkeiten mit Apps Geld zu verdienen!

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Möglichkeiten für die Monetarisierung der Apps

Sie haben sich also entschieden, dass Sie doch zu einem Appreneur werden wollen. Aber wie verdient man mit Apps eigentlich Geld? Es gibt mittlerweile zahlreiche Möglichkeiten eigene Apps zu monetarisieren. Wir zeigen Ihnen nur einige der wichtigsten Modelle dafür.

Kostenpflichtige Apps

Mit Apps Geld verdienen

Das „selbstverständliche“ Geschäftsmodell, das leider in letzter Zeit nicht mehr so selbstverständlich ist. Die Idee ist ganz einfach: der Download einer App kostet etwas, z. B. 1 oder 2 Euro.

Vorteile:

  • Sie verdienen pro Download eine feste Summe ( -30% für die Stores)

Nachteile:

  • Ihre App bekommt deutlich weniger Downloads als die kostenlosen Apps.
  • Dadurch kann man nur schwer eine schnelle Popularisierung und große Downloadzahlen erreichen.
  • Der meiste Umsatz wird in der Release-Woche gemacht, danach sinken die Umsätze deutlich.

Geeignet hauptsächlich bei Apps mit einem eindeutigen Nutzen für die Benutzer, insbesondere für Fachleute, Geschäftsleute usw., die gleichzeitig wenig Konkurrenz aufweisen.

Werbenetzwerke

Admob, iAD usw. Vom Aufbau her ähnlich wie Adsense. Sie zeigen also den Besuchern Ihrer App Banner in verschiedener Form, die User klicken darauf und werden zu einer anderen App oder Website weitergeleitet. Sie bekommen Geld für jeden Klick gutgeschrieben. Zu dieser Kategorie kann man auch diverse Mobile Affiliate Netzwerke zählen. Sie melden sich dort als Publisher an und stellen Ihre App für die Veröffentlichung der Werbung zur Verfügung.

Vorteile:

  • Sie zahlen keine 30% an die jeweiligen Stores.
  • Funktioniert gut bei kostenlosen Apps, so geben Sie den Usern eine Möglichkeit, die gesamte App kostenlos zu nutzen. Bei Traffic-intensiveren Apps kann man auch mit Werbung gut verdienen.

Nachteile:

  • Viele Besucher empfinden die Werbung als einen Störfaktor.
  • Oft ein zu geringes CPC, in vielen Fällen verdienen Sie gerade mal 1-2 Cent pro Klick. Insbesondere wenn die Klicks aus dem Ausland kommen.

Um die Anzahl der Impressionen und die Click-Through-Rate zu erhöhen, müssen Sie die Menge an Werbeanzeigen in der App stark erhöhen. Das senkt selbstverständlich die Zufriedenheit mit Ihrem Produkt.

In-App-Käufe

Apps monetarisieren

Sie verkaufen in der App ein immaterielles Gut

Vorteile

  • Keine nervige Werbung
  • Auf Basis von IAP kann man ein regelrechtes Geschäftsmodell entwickeln, bei dem die Benutzer immer wieder (ganz wichtig – immer wieder, anstatt einmalig) In-App Güter kaufen müssen/können. Bei Candy Crash beispielsweise müssen Sie immer neue Levels freischalten.

Nachteile

  • Apple und Google kassieren 30% aller Verkaufseinnahmen!
  • Sehr oft werden Modelle mit IAP (In-App Purchases) missbraucht und die Benutzererfahrung leidet sehr darunter.
  • Geiz: viele User sind nicht bereit auch nur einen Euro für IAP auszugeben. Es ist immer nur ein kleiner Anteil der Benutzer bereit, die In-App-Käufe zu tätigen.

Ähnlich wie IAP funktioniert das sogenannte Paywall Modell. Dies ist nichts anderes als ein Abonnement, bei dem die Benutzer in gewissen Abständen Geld zahlen um den Content der App nutzen zu können. Ein Beispiel dazu wäre die App Umano.

Verkauf von materiellen Gütern und Leistungen

Die App von Zalando beispielsweise ist nichts anderes als eine Mobile Commerce App, mit der Sie die Kleidung genauso kaufen können wie auf der Website.

Vorteile

  • Ermöglicht es dem offline oder Web-pure Business auch auf dem mobilen Markt tätig zu werden.
  • Gibt die Möglichkeit ein Geschäftsmodell ohne Beschränkungen durch IAP, Pricing Tiers, „Store-Steuer“ und sonstiges aufzubauen.

Nachteile

  • Notwendigkeit einer App nicht immer gegeben. Das typische Dilemma: mobile Website vs. Mobile App.
  • Ohne Internet kaum nutzbar.

Offline Aufwand, das Modell läuft nicht von alleine (wie die Werbung oder IAP), man muss eine offline Logistik aufbauen.

Affiliate Marketing

Genauso wie im Web Bereich, kann man mit Affiliate Marketing ebenfalls Apps monetarisieren. Sie melden sich bei einem der Affiliate-Netzwerke an (oder bei vielen), registrieren sich für diverse Affiliate Programme und listen die Produkte in der App auf. Die User klicken auf die Produkte und werden zu den Shops von Drittanbietern weitergeleitet. Kaufen die Benutzer etwas in diesen Shops, so bekommen Sie Ihre Provision. Beispiele für solche Apps: MyBestBrand, Drezzoo

Vorteile

  • Keine Werbung, kein IAP notwendig, alle Funktionen stehen den Usern frei zur Verfügung, ohne dass sie sich dabei durch die Werbung belästigt fühlen.
  • Klares, skalierbares Geschäftsmodell und (sehr wichtig!) viele User tendieren dazu immer wieder etwas zu bestellen

Nachteile

  • Von Advertisern abhängig, typische Probleme die beim Affiliate Marketing auftauchen.
  • Eigener Content nur beschränkt, hauptsächlich bieten Sie den Content von Drittanbietern an.

Mühsam, sich bei vielen Anbietern zu registrieren und die Produktlisten zu pflegen.

Benutzerdefinierte Werbebanner und Drittinhalte

App Werbung

Eine weitere Möglichkeit um eine App zu monetarisieren. Hier integrieren Sie als Publisher/Entwickler der App die Inhalte oder Werbebanner von anderen Anbietern und kassieren das Geld direkt von den Advertisern. Als Anbieter einer Diät-App beispielsweise, veröffentlichen Sie die News, Promos, Banner oder den Content einer „Healthy Food“ Kette. Beispiel: Nutrino

Vorteile

  • Sie als Publisher wählen selbst, welche Werbung Sie veröffentlichen und in welchem Format. So können Sie das optimale Format und den perfekten Content für Ihre App bzw. Nutzer auswählen.
  • Die Nutzer verstehen oft überhaupt nicht, dass es sich dabei um Werbung handelt.
  • Sie können die Preise direkt mit den Advertisern verhandeln und müssen das Einkommen mit niemandem teilen (insbesondere nicht mit den App Stores).

Nachteile

  • Diese Werbeform steht Ihnen erst dann zur Verfügung, wenn Sie eine bestimmte Nutzeranzahl und Popularität erlangt haben.
  • Suche nach den Partnern und Verhandlungen sind mit Aufwand verbunden, ebenfalls die Veröffentlichung der benutzerdefinierten Werbung. Bei AdMob dagegen läuft der ganze Prozess nach der Integration vollautomatisch ab.

Das sind die wichtigsten Möglichkeiten eine App zu monetarisieren und damit Geld zu verdienen. Aber mit welchen Strategien können Sie dieses Wissen auch praktisch anwenden?

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Drei Beispiel-Strategien und Mobile Geschäftsmodelle

App Reskinning

Eine Plage für die App Stores, aber gleichzeitig eine gute Möglichkeit schnell eine ganze Flotte an Apps aufzubauen und einen konstanten Geldfluß zu sichern.

App Reskinning bedeutet nichts anderes, als eine vorhandene App (Ihre oder ein fremde App, deren Quellcode Sie gekauft haben) immer wieder unter verschiedenen Namen und mit marginalen Anpassungen zu veröffentlichen. Sie haben sich wahrscheinlich oft gewundert, woher die ganzen „Flappy“ Apps kommen. Das ist eines der besten Beispiele für das App Reskinning. Jemand hat eine App entwickelt, die gut lief. Jemand hat diese Idee kopiert. Anschließend hat ein anderer Entwickler den Quellcode einer ähnlichen App zum Verkauf veröffentlicht und als Ergebnis davon stehen heute dutzende von Flappy-Anwendungen zum Download bereit.

Vorteile

  • Eine Möglichkeit schnell, einfach und günstig zur eigenen App zu kommen.
  • Es ist möglich, relativ schnell eine große Menge an eigenen Apps aufzubauen und dadurch das breite Publikum zu erreichen.
  • Jede App wird Cash generieren und als Ergebnis kommt man zu einem stabilen monatlichen Einkommen.
  • Man kann die Flotte verkaufen!

Nachteile

  • Wenig innovativ: Man erzeugt keine neuen Apps, sondern kopiert die vorhandenen.
  • Nur selten kommt man an eine „Killer-App“, die richtig gut läuft. Vielmehr bekommt man als Ergebnis viele minderwertige Apps, die man der Welt auch ruhig ersparen könnte.
  • Nach den ersten Tagen, in denen die App am häufigsten heruntergeladen wird und 90% des Umsatzes generiert werden, nehmen die Downloads und Aktivitäten stark ab und die App landet in der Horde der Zombie-Apps.
  • Keine App an sich ist ein nachhaltiges Geschäftsmodell, jede App ist nur ein kleiner Bestandteil des Reskinning-Konzepts
  • Ein neues WhatsApp oder Tinder ist nicht drin….

Mehr über Reskinning erfahren Sie hier und hier.

Für ein laufendes Geschäft einen mobilen Kanal eröffnen

Mobile ist für Web das was Web für Offline in den 90er Jahren war: wer nicht dabei sein wollte hat verloren! Genauso MUSS jeder eCommerce Betreiber sich überlegen, wie er mit dem mobilen Trend umgeht. Viele führende eCommerce Unternehmen haben schon eine eigene mobile Strategie entwickelt, viele sind gerade dabei, einige hinken hinterher und sparen Geld an der falschen Stelle (mehr zu den Kosten der App Entwicklung und hier unser App Kosten Rechner).

Diese Strategie ist selbstverständlich nur für diejenigen relevant, die schon ein existierendes off- oder online Geschäft haben. Für diese Personen oder Firmen steht eine neue großartige Möglichkeit offen, neue Märkte zu erschließen und neue Kundenkreise zu erreichen.

Der Königsweg

Das ganz große Geld liegt aber woanders: Tinder, Snapchat, Instagram, WhatsApp… Alle diese Apps haben einige Gemeinsamkeiten:

  • Alle sind schwer VC finanziert.
  • Die Apps sind wachstumsorientiert, d. h. investieren großes Geld in das Wachstum und laufen lange ohne Umsätze – und dadurch selbstverständlich auch ohne Gewinn. Sie konzentrieren sich auf eine möglichst große Verbreitung.
  • Die Hauptwährung bei solchen Apps ist die Anzahl der Nutzer, die Nutzerinteraktion und die Viralität.
  • Netzwerkeffekte spielen eine große Rolle!
  • Sehr oft haben die Betreiber kein klares Geschäftsmodell und fangen mit den Gedanken über die Monetarisierung der Apps erst an, wenn eine bestimmte (in meisten Fällen – globale) Verbreitung bereits erreicht wurde.

Wie Sie solche Apps entwickeln und wie Sie zu VC Geldern kommen, ist eine andere Geschichte und wird den Rahmen dieses Artikels sprengen. Aber gerne verweise ich Sie auf einige inspirierende Artikel: zu WhatsApp, ein interessanter Blog über mobile Strategien und eine hilfreiche Lektüre (Disclaimer: es handelt sich NICHT um Affiliate Links!)

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Fazit

Trotz einer gewissen „App-Müdigkeit“ bei den Verbrauchern, ist das Mobile Development und Mobile Marketing nach wie vor ein rasant wachsender Markt. Die erste Euphorie mag zwar vorbei sein, aber die neuen Facebooks, WhatsApps und Snapchats stehen bestimmt schon in den Startlöchern! Durch eine kluge Strategie und die Wahl einer passenden Monetarisierungsform können Sie mit den mobilen Apps auch in den kommenden Jahren noch ordentlich Geld verdienen.

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1 Comment

  1. appreneur says: 2015/04/07 at 15:16

    Danke, gut geschrieben… “Königsweg” ist übrigens ziemlich riskant

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